Rede im Kreistag am 19.9.2019 zur geplanten Klinikschließung  in Wolfhagen

Die Nachricht in der HNA gestern online ist wie eine Bombe eingeschlagen. Die Emotionen bei mir dazu reichen von zunächst ungläubig, über fassungslos, wütend bis zu sich mal wieder hilflos ausgesetzt fühlen.

Erinnerungen an Helmarshausen kommen – nur da hat man zumindest einen Entscheidungsprozess erkennen können, in Wolfhagen kommt der K.O.-Schlag aus dem Nichts.

Es war schon immer so, dass das Kasseler Klinikum der starke Partner war, die Landkreis-Kliniken der schwache Partner – die Betonung liegt auf Partner.

Die Pessimisten haben seinerzeit schon gesagt, das war nur der Anfang, das war noch nicht alles. Aber noch vor gut 2 Jahren stand der Ankauf eines Grundstückes in Wolfhagen zur Diskussion, um auch dort eine neue Klinik bauen zu können.

Jetzt entscheiden ein paar wenige Personen im Aufsichtsrat eine so weitreichende Entscheidung. Und man hält es nicht einmal  für nötig, die Gesellschafterversammlung mit in eine solche Entscheidung einzubinden. Geschweige denn die betroffene Kommune, oder die Einrichtung selbst.  Die grenzenlose Arroganz der Macht.

Die Begründung für die Schließung: Finanzielle Probleme und Optimierung  der medizinischen Versorgung in der Region.  Nun bin ich zwar Dr. aber kein Mediziner, aber eins weiß ich:  Eine Optimierung dort hinzubekommen, wo ich etwas streiche, ist schon mehr als abenteuerlich. Die Optimierung passiert dann nicht da, wo ich etwas streiche, sondern auf der anderen Seite, in Kassel im Klinikum.

Wenn ich auf einer Waage auf einer Seite etwas wegnehme, wird automatisch die andere Seite schwerer. Einfache Mechanik.

Ich hätte es verstanden, wenn man den Standort Wolfhagen gestärkt hätte und dort einen Schwerpunkt geschaffen hätte, in welche Richtung auch immer.  Und da fällt mir sofort ein, dass z.B. Behandlungsunterstützung in Videeokonferenzen möglich ist.

Etwas Gutes zu schaffen, indem man eine große und wertvolle Infrastruktureinrichtung im Landkreis einfach von jetzt auf gleich kaputtmacht – für Herrn Dr. Knapp ein „Guter“ Tag – der Dienstag der Entscheidung. Und ich frage mich warum? Bekommt man dafür eine Prämie???

Für die Wolfhager Region ist das ganz sicher nicht ein „guter“ Tag.

Medizinische Versorgung ist primär eben kein Wirtschaftsunternehmen sondern hat primär den Zweck, akut kranke Menschen medizinisch zu versorgen und wieder gesund zu machen. Und zwar nicht nur an einem konzentrierten Stützpunkt, sondern auch in der Fläche.

Und wir appellieren an dieser Stelle an Herrn Geselle und Herrn Dr. Knapp: Haben Sie sich auch nur einmal Gedanken darüber gemacht,  woher die Patienten des Klinikums in Kassel kommen, zu mehr als 50 % aus dem Landkreis, haben Sie sich schon mal über  den Begriff „Stärkung der Region und des ländlichen Raumes“ Gedanken gemacht. Eine Stärkung des Klinikums bedeutet das zumindest nicht. Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, was es für die betroffene Bevölkerung bedeutet?  Und nicht zuletzt was es für die Beschäftigten bedeutet?

Und Herr Geselle: Sie haben einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, dass die Stadt Kassel kein Interesse an den Bedürfnissen des Landkreises und deren Bevölkerung hat, Partnerschaft bedeutet zumindest für uns gemeinsam auf Augenhöhe und gleichberechtigt, und wenn einer stärker und der andere schwächer ist, dann muss der eine den anderen stärken und stützen.

Ihnen sind nur ihre Interessen wichtig, so sind die Verträge auch gestrickt. Und als Beispiel kann ich hier nur nennen: Erweiterungen des Klinikums Kassel gibt es seit jeher für die Stadt Kassel zum Nulltarif, hingegen bei Maßnahmen der Landkreiskliniken wird der Kreishaushalt immer wieder erheblich belastet. 

Unter Partnerschaft verstehen wir etwas anderes.

Bleibt bei uns die Frage, war es damals ein guter Tag und eine gute Entscheidung, sich in der GNH mit der Stadt Kassel zusammenzuschließen.

Aber Jammern allein hilft nichts, wir müssen jetzt wirklich alle Möglichkeiten ausschöpfen, um noch zu retten, was zu retten ist. Wir sind da ganz vorne mit dabei, das nicht widerspruchslos hinzunehmen, sondern uns zu wehren, mit allem, was möglich ist. Und wir sollten jede kleine Chance, die es gibt auch nutzen.

Zierenberg den  19.9.2019

Bärbel Mlasowsky

 

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